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LINIE 305 |
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(Zum Wochenende) 2./3.
Oktober 1982 |
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![]() An diesem
Wochenende geht die Ära der Straßenbahnen zu Ende
Abschied von der SchieneFreitag, 25. Februar 1898, ein Tag, an dem ein Junge aus Recklinghausen Süd nicht nur
voller Ungeduld, sondern auch
freudig erregt
einem Ereignis entgegensieht, das Geschichte machen sollte: Hubert Sandkühler, später Drogist in Recklinghausen Sud. war als Kind unter den ersten Fahrgasten der
Straßenbahn, die von Wanne kommend durch Sud
über
Schienen in die Recklinghauser Innenstadt glitt. Jahrzehnte später wird
sein Sohn Hubert Sandkühler, Pensionär aus Marl-Sinsen, Zeuge eines Ereignisses, das ihn
weniger freudig stimmt, ja, das ihn in Wehmut und Trauer
versetzt. "Ich werde mich bemühen,
am Sonntag, wenn die letzte Bahn der Vestischen, die Linie 305, die Ara der
Schienenfahrzeuge beendet, dabeizusein." Hubert Sandkühler
mochte am
3. Oktober Abschied nehmen von dem Nahverkehrsmittel, das in der Jugendzeit seines Vaters für Schlagzeilen gesorgt hat. Dabei war dies damals
- wie es oft bei
Neuerungen geschieht - nicht gerade
unumstritten. Der
Recklinghauser Unternehmer Jochum soll, so die Überlieferung, tagelang mit seinem
Omnibus aus Protest neben der Schiene einhergefahren sein: Er wollte "der Neuen" partout die Stirn bieten. Ein
Fahrschein aus der Zeit vor 1955: Damals gab es noch den freundlichen
Schaffner, der ein Loch hineinknipste...„Wir mochten keinen tränenreichen Abschied nehmen, sondern das Ereignis so
geräuschlos wie möglich an uns vorübergehen lassen", betont der amtierende Direktor Schuller. "Unsere Leute haben die Umschulungen klaglos hingenommen. Da können wir nicht hingehen
und die
Stillegung auch noch öffentlich bejubeln ...“ So völlig sang- und klanglos, ohne ihr den geringsten Nachruf zu gönnen, wird am Sonntag, dem 3. Oktober, die letzte Bahn der Linie 305 zwischen Recklinghausen und Herne ganz fahrplanmäßig ausrollen. Busse mit Dieselmotoren und entsprechender Geruchsbelästigung werden ihre Aufgaben
künftighin Übernehmen. Auf das Stichwort .. Umweltverschmutzung" angesprochen, war von den "Vestischen Straßenbahnen" nur zu erfahren. dass der Strom für die "Elektrische"
schließlich auch nicht schlichtweg "aus der Steckdose"
gekommen sei, sondern
daß es Kraftwerke sind, die die Elektrizität
"herstellen".
Warum also wird ein
Nahverkehrsmittel ausgelöscht,
das um die Jahrhundertwende als zukunftsweisende Neuerung
gepriesen worden ist?
Als Grund wird die Wirtschaftlichkeit angegeben: Es hat sich
nicht mehr
gelohnt, die Bahnkörper und Oberleitungen stets so in
Ordnung zu halten, daß
ein störungsfreier Straßenverkehr auf der Schiene
gewährleistet wäre. Angeblich
liegen die Betriebskosten der wesentlich schwereren
Straßenbahn - verglichen
mit dem Omnibus - um mehr als das Doppelte höher. Schallend gelacht über diese Aussage hatten unsere Väter und Großväter, die wahrend bzw. kurz nach der Währungsreform die Sitze und Stehplatze der Straßenbahnen sozusagen im Sturm eroberten: Damals waren die Blütezeiten der Schienenfahrzeuge. Man mußte darauf bedacht sein, möglichst noch in letzter Sekunde einen Platz auf dem Trittbrett zu finden: So überfüllt waren die mehrzugigen Bahnen in dieser schlechten Zeit, in der es noch nicht selbstverständlich war, mit dem eigenen Pkw notwendige Wege zurückzulegen. Solcher Andrang herrschte jedoch nicht nur in den so genannten Berufsstoßzeiten, sondern auch dann, wenn die Kinos öffneten oder ihr Programm beendet hatten. Und ganz besonders schlimm wurde es, so erinnert sich der Marler Ex-Straßenbahner Albert Kopecki, wenn bei Beginn und Schluß der beliebten Fußballspiele bis zu vier Einsatzwagen notwendig wurden ...
In ihren ersten Tagen
(Tageseinnahme am 26. Februar 247 Mark) kam es allerdings schon zu gefährlichen
Situationen. Da
bot sich den
Fahrgasten der ,,Lichtdurchfluteten eleganten
Wagen" (ein Zeitgenosse) der Anblick "kleiner Entgleisungen", und es kam zu schlimmen Überfällen. Ein Schäferhund mußte sein Leben
unter den Rädern des ungewohnten Fahrzeugs lassen, ein Huhn wurde völlig zermalmt, und schließlich legten Bösewichte
Steinbrocken auf
die Schienen des Bahnkörpers. Oberkontrolleur i. R., Heinrich Brune, erklärte im Jahre 1938 unserer Zeitung nach 37 Jahren Dienstzeit auf der Linie
Herne - Recklinghausen, daß er in der Anfangszeit enorm beeinträchtigt wurde durch die offenen Führerstände und durch die Tatsache, daß an den Kopfseiten der Wagen keine Scheinwerfer befestigt waren, sondern nur Petroleumlampen, die an jeder Endstation umgesetzt
werden mußten. Unsere Zeitung berichtete 1898: "Man darf behaupten, wenn der Zudrang
immer so
bleiben
sollte wie an den ersten beiden Tagen, dann brauchen sich die Bürger der beteiligten Gemeinden nicht lange mehr über zu hohe Steuern zu beklagen, aber wie bald wird die Bahn den Reiz der Neuheit verlieren und das eigentliche Geschäft nur am Sonntag oder bei besonderen Gelegenheiten gemacht werden." Ein
Geschäft
konnte
man
mit
der
Straßenbahn
in unserer
Region
schon lange
nicht
mehr
machen.
Fazit:
Sie
wird
verbannt
aus
dem
Straßenbild,
verkauft
ins
ferne
Frankreich,
und
sie wird
bald vergessen
sein.
Mag
sein,
daß
eines
Tages
wieder -
aus
Umweltschutz-
und
wirtschaftlichen
Erwägungen
- der Pferdeomnibus,
der
1888
zwischen
Herten
und
Recklinghausen
eingesetzt
wurde, die
Fahrgäste
im
Vest
von Stadt zu
Stadt,
von
Haltestelle
zu
Haltestelle befördern
muß.
.
.
Angela Lamza
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| Mein Dank gilt der Recklinghäuser
Zeitung, aus deren Archiv dieser Beitrag stammt. |
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